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Padel: Eine Weltkarte. Viele Spielregeln.

Europa hält 62,5 Prozent der Padel-Courts, doch bei neuen Clubs liegt inzwischen Asien vorn. Vom reifen spanischen Markt bis zum schnell wachsenden Indonesien entscheidet der lokale Bedarf über die nächste Chance.

DUĒLL Journal ·

Top view of a padel player with shoes, racket, and ball on a vibrant blue court.

Diana Scala / Pexels — Pexels License

Die nächste Chance im Padel liegt nicht automatisch dort, wo der nächste Court eröffnet. Sie liegt dort, wo Infrastruktur, Spielerschaft und Angebot noch nicht zusammenpassen – und jemand diese Lücke sinnvoll schließt. Europa hält weiterhin 62,5 Prozent der weltweiten Courts. Bei neuen Cluberöffnungen hat Asien Europa inzwischen überholt. Spanien tritt in eine reife Marktphase ein, Indonesien baut mit hohem Tempo. Das sind keine widersprüchlichen Geschichten. Es sind unterschiedliche Märkte, die unterschiedliche Entscheidungen verlangen. Eine globale Präsenz hilft. Eine globale Schablone nicht.

Die Karte hat mehrere Ebenen

Der am 14. Oktober veröffentlichte FIP World Padel Report 2026 zählt weltweit mehr als 40 Millionen Spielerinnen und Spieler sowie über 91.200 Courts. Padel Post beschreibt das Bautempo auf Basis des Reports mit ungefähr einem neuen Court alle 36 Minuten. Ein starkes Bild. Aber noch keine Standortstrategie.

Wichtiger ist die Unterscheidung zwischen Bestand und Zuwachs. Laut Padel Speak liegen 62,5 Prozent aller Courts in Europa. Padel Post berichtet zugleich, dass Asien erstmals mehr neue Cluberöffnungen verzeichnete als Europa. Die eine Zahl beschreibt die vorhandene Infrastruktur, die andere den Ausbau. Asiens Vorsprung bei Neueröffnungen bedeutet nicht, dass der Kontinent Europa beim Gesamtbestand überholt hat.

Auf Länderebene verändert sich die Aufgabe erneut. Spanien verfügt über mehr als 17.700 Courts und wird als Markt beschrieben, der eine reife Phase erreicht. Indonesien kamen laut Padel Post im Berichtsjahr 769 Clubs und mehr als 2.500 Courts hinzu. Für den amerikanischen Kontinent berichtet dieselbe Quelle: Die USA überschritten nach einem Wachstum von rund 50 Prozent die Marke von 1.000 Courts.

Diese Befunde zeigen Entwicklungsstadien, keine Rangliste attraktiver Investments. Indonesiens Ausbau liefert Hinweise zu Indonesien. Er belegt nicht, dass jeder asiatische Markt dasselbe Clubkonzept braucht. Die US-Zahl beschreibt einen wachsenden nationalen Bestand, nicht die Nachfrage in einem bestimmten Stadtteil.

Die nächste Padel-Chance liegt in einer lokalen Lücke, nicht in einer kontinentalen Schlagzeile.

Spacious indoor padel court with vibrant blue flooring under a wide roof.

Ercan Evcimen / Pexels — Pexels License

Spanien braucht eine andere Frage als Indonesien

Wer in Spanien einen Club eröffnen möchte, muss kaum noch fragen, ob Padel angekommen ist. Entscheidend ist, warum Menschen einen weiteren Standort wählen sollten. Unsere redaktionelle Einordnung: In einem als reif beschriebenen Markt verdient Differenzierung mehr Aufmerksamkeit als der Neuigkeitswert. Trainingsqualität, Spielbedingungen, sportliche Entwicklung und ein nachvollziehbarer Grund, zu wechseln oder zu bleiben.

Indonesiens schnelle Expansion legt eine andere Prüfung nahe. Vor dem nächsten Bau sollten Betreiber untersuchen, ob die lokale Nachfrage mit dem Angebot wächst. Wer führt neue Menschen an das Spiel heran? Was bringt sie zurück? Kann der geplante Standort auch nach der Eröffnungsphase Buchungen gewinnen? Nationale Bauzahlen beantworten diese Fragen nicht.

Für die USA gilt dieselbe lokale Sorgfalt. Mehr als 1.000 Courts markieren eine Größenordnung auf Landesebene. Sie belegen keine wirtschaftliche Tragfähigkeit eines einzelnen Standorts. Eine Clubentscheidung sollte eine Analyse des Einzugsgebiets, ein realistisches Betriebsbudget und belastbare Hinweise auf Zahlungsbereitschaft voraussetzen. Bautempo ersetzt diese Prüfung nicht.

Die Wirtschaftsstudie liefert dafür eine Orientierung. OpenEconomics schätzt den Anteil der Court-Miete an den weltweiten Padel-Ausgaben auf 67,2 Prozent. Bau und Instandhaltung von Anlagen stehen für 19,2 Prozent, Ausrüstung für 12,2 Prozent. Das sind globale Anteile, keine Vorlage für Erlöse oder Kosten eines einzelnen Clubs. Die strategische Priorität wird trotzdem deutlich: das Geschäft mit dem Spielen prüfen, nicht nur die Gelegenheit zum Bauen.

Athleten und Events brauchen eine lokale Aufgabe

Auch die Wettkampfkarte wächst. Padel Speak nennt für 2026 insgesamt 434 bestätigte FIP-Turniere in 62 Ländern. Für 2025 waren es 290 Turniere in 50 Ländern. Bestätigte Veranstaltungen sind nicht mit bereits ausgetragenen gleichzusetzen. Und ein größerer Kalender belegt noch nicht die kommerzielle Stärke jeder Station.

Für Athlet:innen, die neue Märkte erschließen möchten, lautet die bessere Partnerschaftsfrage: Welche sinnvolle Rolle kann ich hier übernehmen? Denkbar wären Trainingseinheiten, die Vermittlung des Profispiels oder die Verbindung eines Turnierauftritts mit einem lokalen Clubprogramm. Das sind mögliche Formate – kein Beleg dafür, dass ein bestimmter Markt sie bereits finanziert.

Wie sollten Marken einen Padel-Ambassador auswählen? Zuerst Zielgruppe und Aufgabe definieren. Danach sportliche Glaubwürdigkeit, Kommunikation und Verfügbarkeit prüfen. In einer jungen lokalen Szene kann es wichtiger sein, das Spiel verständlich zu machen, als einen inszenierten Auftritt abzuliefern. In einer etablierten Szene könnte fachliche Tiefe stärker zählen. Die Passung muss geprüft werden. Bekanntheit lässt sich nicht unverändert von Markt zu Markt übertragen.

Für Veranstalter liefert OpenEconomics ein wichtiges Gegengewicht: Profiturniere machen 1,4 Prozent der geschätzten weltweiten Padel-Ausgaben aus. Das misst nicht ihren gesamten kulturellen oder kommunikativen Wert. Es zeigt aber, warum Eventambitionen an das breitere Geschäft mit dem Spielen anschließen sollten. Clubpartnerschaften, Amateurangebote und Hospitality sind eigenständige Leistungen. Jede braucht ihre eigene Zielgruppe und ihr eigenes Budget. Keine entsteht automatisch mit einem Turniertermin.

Was das bedeutet

Bei DUĒLL lesen wir die Padel-Weltkarte als Sammlung lokaler Aufgaben, nicht als einheitlichen Expansionsplan. Die praktische Chance liegt darin, die Maßnahme auf die Entwicklungsphase des Marktes abzustimmen.

Für Clubs heißt das: Nachfrage am konkreten Standort prüfen und einen Grund zum Wiederkommen schaffen. Für Marken: entscheiden, ob sie den Einstieg in Padel erleichtern, das Spielerlebnis verbessern oder sportliche Ambitionen unterstützen wollen. Das sind unterschiedliche Sponsoringaufgaben. Für Athlet:innen: Partnerschaften um einen glaubwürdigen lokalen Beitrag aufbauen und Leistungen klar vereinbaren. Für Communities: fragen, ob neue Anlagen und Events Zugang, Lernen und Entwicklung tatsächlich verbessern.

Europas Bestand und Asiens Neueröffnungen können gleichzeitig relevant sein, ohne dieselbe Antwort zu liefern. Spanien könnte ein präziseres Angebot belohnen. Indonesien verlangt einen genauen Blick darauf, wie die Beteiligung dem Ausbau folgt. Die USA brauchen eine Prüfung Markt für Markt. Der nächste Schritt ist nicht, den am schnellsten wachsenden Ort zu kopieren. Sondern den Ort zu verstehen, an dem man selbst antreten will.

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